„… dass man sich da wieder wegen Fußball so streitet.“

Jeder dürfte von den Ereignissen in Ägypten mitbekommen haben. „Am Mittwochabend stürmten Fans der Gastgebermannschaft das Spielfeld, auf dem es anschließend zu Tumulten kam. In der Folge starben durch die Krawalle über 70 Menschen, an die 1000 sollen verletzt worden sein.“ So oder so ähnlich wurde es auf den Nachrichtenportalen Deutschlands verbreitet.

Bei dem Begriff „Fans“ fängt die Unerhörtheit der deutschen Presselandschaft schon an. Menschen, die andere Leute in einem Fußballstadion kaputthauen, sind definitiv unerwünscht, es sei denn im Stadion tobt ein Boxkampf und die Kaputthauer im Ring bleiben unter sich. So Leute nennt man „Boxer“, aber sicher niemals „Fans“. Da werde ich in einen Topf geworfen mit hirnlosen Spackos, die ein Fußballspiel nur nutzen, um sich hoch zu pushen und danach irgendwen zu verkloppen. Finde ich generell nicht gut, aber es sei den Journalisten verziehen. Irgendein Wort müssen sie ja nehmen, um den Fußballkontext zu erwähnen.

Der Radiosender EinsLive setzte dieser Thematik heute aber die Krone auf. Ein Bericht über die Krawalle am Mittwoch, die Korrespondentin aus Ägypten spricht. Es ging erst mal nicht um Fußball, sondern um den „ägyptischen Frühling“ (sic!), den die Korrespondentin ja hautnah miterleben durfte. Die Moderatorin (Sabine Heinrichsens) frug: „Wie ist denn nun das Empfinden, nachdem schon im letzten Jahr so viel gekämpft wurde und nun wieder solche Krawalle aufkommen?“

Die Antwort verwunderte mich und mittlerweile macht sie mich böse. „Das ist natürlich sehr traurig, bei all den schlimmen Geschichten, die man hier so erlebt, wenn man hier arbeitet. Und dass man sich da wieder wegen Fußball so streitet und aufeinander losgeht…“
Ich glaube, jene Korrespondentin hat den falschen Beruf.  Solche Menschen sind dafür verantwortlich, dass in der Öffentlichkeit das Bild entsteht, Fußball sei eine Kampfsportart. Ich wehre mich hiermit vehement dagegen. Zwar ging es im ganzen Bericht um den politischen Kontext der Geschichte, dass dort engagierte Schlägertrupps am Werk waren und Fußball instrumentalisiert wurde, blieb hingegen unerwähnt. Der böse Fußballfan ist der Böse. Die martialischen Fotos in der Kulisse Fußballstadion zeichnen dem Leser der dazugehörigen Artikel das Bild dann auch nach und ein großer Teil der Bevölkerung glaubt das dann.

Ich weiß nicht… Bei so einem Spruch reagiere ich einfach sehr emotional. Ich zerschlage aus Wut den dritten Küchentisch in dieser Woche und haue meinen vierten Stuhl zu Brei. Morgen geh ich dann ins Stadion und prügel meinen Frust über diesen Bericht irgendeinem Kerl ins Gesicht, der grad neben mir sitzt (Sorry Patrick!), so will es ja auch die öffentlich-rechtliche Korrespontentin. Eine Win-Win-Situation.

Morgen würde ich mich über eine Win-Lose-Situation mehr freuen. Wir gewinnen. Die verlieren. Glück auf!

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4 Antworten to “„… dass man sich da wieder wegen Fußball so streitet.“”

  1. Carlito69 Says:

    Solltest Du mal als Leser- bzw. Hörerbrief an EinsLive schicken. Dennwo Du Recht hast, hast Du Recht!

  2. Bert Says:

    Endlich mal ein guter Beitrag, besten Dank. Muss man erstmal verarbeiten. Generell finde ich den Blog leicht zu verstehen und bequem zu lesen.

  3. Steffen Says:

    Ich bin jetzt mit im Club und habe mit inzwischen ein RSS Tool zugelegt. wie kriege ich den nun den Link zum RSS Feed ?

  4. Benjamin Says:

    Rechts unten auf der Hauptseite sind die Abo-Links:
    https://gemeinerschalker.wordpress.com/
    😉

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