Ne Viertelstunde Respektlosigkeit

Eine Viertelstunde lang dachte ich: „Ja, das wird ja noch was!“, dann hatte ich ein paar Minuten lang Schiss, dass das Spiel kippt und dann kippte es mit dem Nullzueins. Auf ein mal war der übertriebene Respekt, der zu einem Großteil aus der Bayern-Propaganda resultiert, wieder da, gegen den man sich eine Viertelstunde lang gewehrt hat. Respekt vor dem Namen, Respekt vor den Egos der Einzelspieler und vor diesem Stadion, das mir in Fernsehbildern immer kaum wie ein Fußballstadion wirkt. Keine Ahnung warum, aber Bilder aus der Schüssel dort wirken auf mich immer wie vorproduziert und nachträglich bearbeitet, wie in einer Soap Opera. Respekt vor Leistung ist wichtig, aber nicht vor Arroganz und Etepetete. Schalke hatte eine Mischung aus beidem.

Schalke war nicht mal furchtbar schlecht. So ganz aufgegeben schienen sie nie zu haben. Man hat nur irgendwann zu viele Fehler gemacht. Vor allem Papadopoulos, Matip und Höger waren viel unterwegs. Zwar waren diese oft in der Lage, die vor ihnen stehenden Offensivkräfte in Szene zu setzen, aber aufgrund der guten Bayern-Abwehr konnten unsere Männer um Huntelaar, Raul und Farfan die meisten Bälle nicht verwerten. An Torschüsse war nicht zu denken. Raul versuchte es immer wieder mit den Pässen in die Schnittstellen. Aber wenn man wie Farfan das Laufen einstellt und einfach keinen Bock hat, bringen die schönsten Pässe nichts. Dieser scheint mir noch nicht ganz wieder fit zu sein. Frage mich, ob er überhaupt noch Lust hat, sich wieder vernünftig ins Team zurückzuarbeiten. Wirkt derzeit nicht so, denn ungeheuer lustlos trabte er hin und wieder gestern über die rechte Seite.

Schade, aber Schalke hat seine Grenzen aufgezeigt bekommen. Platz 4 momentan ist gerechtfertigt, denn gegen Bayern verliert noch so manch anderer Verein. Das blöde an der Niederlage gestern war, dass der Bajuware eigentlich momentan schlagbar war, aber wir waren mal wieder Aufbaugegner. Wir sollten hoffen, mit dem Restprogramm noch gut zurechtzukommen, so dass wir weiter an Platz 3 oder 4 dran bleiben und jetzt nicht komplett einbrechen. Aber geht weiter, woll? Mit 7 Punkten auf Platz 5 scheint das alles möglich zu sein. Köppe nich hängen lassen. Länderspiele mitnehmen, um mal durchzuatmen. Dann in Freiburg furios punkten. Bin recht zuversichtlich, denn gegen alle unsere Verfolger sahen wir in der Hinrunde recht gut aus. Siege gegen Bremen und Leverkusen, ein gutes Unentschieden gegen Hannover.

Das Spiel sah ich übrigens mit Patrick im Klubhaus 1249 in Dortmund. Viele Schwarzgelbe natürlich. Zweidrei von den 50 Besuchern haben in der Liga scheinbar lieber die starken Münchener als Konkurrenten, statt die gerade mal gut überdurchschnittlichen Schalke Nullvier, denn bei jedem Tor riefen sie „Jawollscheißschalke!“ Ich bin zu sehr Lokalpatriot, um das gleiche bei Dortmunds Gegentoren zu rufen und hab auch wenig Verständnis für den aggressiven Unterton, der bei so etwas immer mitschwingt. Ich hasse dieses Gehabe, das manche an den Tag legen, wenn man Erfolg hat. Man freut sich nicht nur über seine Siege, sondern ist auch generell gerne einfach respektlos, eigentlich generell zu Leistungen aller Vereine, aber zu Schalkern natürlich besonders. Das ist dann keine sportliche Rivalität mehr, sondern ein Ersatz-Rassismus ohne gesellschaftliche Konsequenzen. Ab und an kam auch aus dieser Richtung ein schiefer Blick über die Schulter zu Patrick und mir, weil wir mitfieberten und Patrick mit dem Schal unterwegs war. Mutig von ihm. Die zwei Leute waren aber ja zum Glück in der Minderheit. Ein ziemlich schöner Laden! Auch interessant für jeden, der einfach Sport-Übertragungen sehen will. Man kann hingehen, fragen, ob etwas gezeigt wird und dann schalten sie meistens sogar genau zu dieser Übertragung. Das Schnitzel schmeckt auch echt gut. Wir werden öfter hin, auch wenn wir vermutlich die einzigen Blauweißen sein werden.

04 Spieler des Spiels: Papadopoulos, weil er das Kampf-Tier ist und unfassbar viele Bälle haben will. Höger, weil er derzeit aufblüht und richtig gute Spiele macht. Scheint noch ein sehr guter zu werden. Matip, weil er Konstanz findet. Hildebrand, weil er richtig Bock hatte und ungeheuer gut gehalten hat. Ohne ihn wäre es sicher noch anders ausgegangen.

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