Die vorbeie Saison 11/12

Die Saison ist für den FC Schalke 04 nun endgültig gelaufen und nach dem 34. Spieltag sage ich zur Bundesliga, wie zur Exfreundin nach dem Ende einer Beziehung: „Was soll ich denn jetzt nun anfangen, so ohne dich?“

Die Sache ist: Aus den Augen heißt beim Fußball absolut nicht sofort und automatisch aus dem Sinn. Viel mehr fängt man an, sich häufiger mit dem Fußball als Sport allgemein auseinanderzusetzen. Was soll man auch sonst machen? Letztens saß ich mit meinem Freund Mirko vor der Playstation. Es war Halbzeit in der Relegation zwischen Hertha und Fortuna. Wir spielten bei Fifa das Duell nach. Fortuna steigt also auf. Aber als sich zuvor in der ersten Hälfte auf ZDF das Spiel ein wenig lang gezogen hat, wunderten wir uns über diese eigenartige Form der körperlichen Ertüchtigung. Was finden wir und Millionen andere in Deutschland am Fußball so gut? 22 Mann, die einem Ball hinterher laufen und ihn in einen Kasten bugsieren wollen? Irgendwie eine groteske Vorstellung, je abstrakter man es betrachtet. Es kamen uns aber so einige Ideen, was am Fußball so fesselnd ist:

  • Spielen in der Gemeinschaft, Teamgeist und Mannschaftsgefühl, etwas zusammen erreichen und sich dadurch individuell weiterentwickeln
  • Sportliche Ästhetik, wenn z.B. Ballstafetten gelingen und man merkt, wie gut Dinge eingeübt wurden
  • Das Drumherum, spannender als GZSZ, noch dazu mit besseren Schauspielern, abgesehen von Andi Möller
  • Urtrieb für Männer: Wettbewerbs- und Konkurrenzdenken
  • Urtrieb für Frauen: Sportliche Männer machen männliche Sachen, treten Bälle und Beine
Aber das Totschlag-Argument ist für mich der
  • Religionsersatz, den der Fußball für manche darstellt.

Durch den Personenkult nimmt die Sportbegeisterung eine Art polytheistischen Charakter an, mit mehr oder weniger beliebten Göttern in Blauweiß, Schwarzgelb, Rotweiß oder wie auch immer. Egal, wen man dabei gut findet, oder nicht, am Ende heißt es immer und für jeden: Fußball ist der geilste Club der Welt. Daher kann man sich auch wieder auf die Europameisterschaft freuen, wenn alle versuchen Freunde zu sein und über eventuell unterschiedliche Trikotfarben hinweg zu sehen. Dauert aber noch ein bisschen, bis ich richtig heiß bin. Gut: Unser Lütten ist dabei, ein erstklassiges Trainingslager zu absolvieren. Alleine das dürfte für ihn einen tollen Entwicklungssprung bedeuten.

Das führt zum Abschluss zu folgendem interessanten Interview von derwesten.de mit Clemens Tönnies. Auf die Frage, ob Tönnies bei der doppelten Meisterschaft der Nachbarn neidisch wäre, gab er diese Antwort, die genau so als Statement auf meinem Blog stehen könnte:

„Ich wäre unehrlich, wenn ich sagen würde: Es ist mir egal. Mir geht es aber nicht darum, wer Meister geworden ist, sondern dass wir es nicht geworden sind. Dortmund hat in den letzten Jahren nicht viel falsch gemacht, und wenn ich voraussagen soll, wer in der nächsten Saison den Titel holt, dann sage ich: wieder Dortmund. Aber wenn ich verfolge, wie sich manche Fans da äußern – meine Wahrnehmung ist, dass da eine abgrundtiefe Abneigung eher von Gelb auf Blau rüberkommt als umgekehrt. Und das, obwohl ich mich mit Hans-Joachim Watzke oder Reinhard Rauball ganz vernünftig unterhalten kann.“

In diesem Sinne: Fußball ist und bleibt der geilste Club der Welt, egal aus welchem Grund auch immer man ihm verfallen ist.

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Eine Antwort to “Die vorbeie Saison 11/12”

  1. Carlito69 Says:

    Ja, da hat der Clemens glaube ich nicht so unrecht…

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